
Ratgeber Gesundheit (Vogel)
- Tipps, damit sich der Vogel wohlfühlt
- Wenn Einsamkeit krank macht
- Vorsicht Hitzestau!
- Schnabelräude beim Wellensittich
Tipps, damit sich der Vogel wohlfühlt
Vögel gewinnen als fröhliche, amüsante, oft farbenprächtige Hausgenossen
mehr und mehr an Bedeutung. Die weitaus größte Zahl der Heimvögel
gehört zu den Papageien und Sittichen, die besonders wegen ihrer
Sprechbegabung viele Liebhaber gefunden haben, gefolgt von den
Finkenvögeln, wie z.B. Zebrafinken und Kanarien. Um den vielfältigen
Krankheiten, die tagtäglich in der tierärztlichen Praxis behandelt
werden, vorzubeugen, hier einige allgemein gültige Regeln für
Haltung, Pflege und Fütterung einzeln oder zu mehreren gehaltener Vögel.
Die erste Voraussetzung für die Gesunderhaltung der in Gefangenschaft
gehaltenen Vögel ist ihre Unterbringung in einem ausreichend großen
Käfig. Die im Handel erhältlichen Käfige sind oft zu klein oder
stellen als schön verzierte Gebilde allenfalls ein Schmuckstück
dar, sind aber für den Vogel absolut ungeeignet. Insbesondere
sollte von runden Käfigformen Abstand genommen werden. Für Papageien
und Sittiche sollten die Gitter horizontal angeordnet sein, um
dem Klettertrieb der Tiere gerecht zu werden.
Die Inneneinrichtung sollte sich auf maximal drei bis vier Sitzstangen
beschränken. Am besten eignen sich weiche Naturhölzer aus dem
Garten, deren unterschiedliche Stärke eine Fußgymnastik garantiert
und so Fußkrankheiten und Stellungsanomalien der Zehen vorbeugt.
Es empfiehlt sich, dem Vogel mindestens eine Stunde täglich unter
Aufsicht einen Freiflug zu gönnen, damit er seine Muskeln trainieren
kann (Vorsicht vor giftigen Zierpflanzen). Einzeln gehaltene Vögel
leiden unter Einsamkeit und bedürfen einer intensiven Betreuung.
Besser ist es, Schwarmvögel wie Wellensittiche oder Prachtfinken
paarweise zu halten.
Fast alle Stubenvögel stammen aus warmen, teils feuchten Klimazonen
und sind daher sehr kälteempfindlich, licht- und luftfeuchtigkeitsabhängig.
Der Standplatz im Zimmer sollte also hell und warm, vor praller
Sonneneinstrahlung und Zugluft geschützt sein. Die Tiere benötigen
mindestens 45 Prozent Luftfeuchtigkeit, außerdem sollte man eine
Bademöglichkeit oder regelmäßiges Besprühen mit der Blumenspritze bieten.
Häufig sind Mägel an Sauberkeit die Ursache für bedrohliche Erkrankungen,
weil Milben, Bakterien oder Pilze sich in verschmutztem, feuchtem
Sand oder Futter vermehren.
Das angebotene Futter muß alle lebensnotwendigen Nährstoffe in
ausreichender Menge enthalten. Die im Handel angebotenen Körnermischungen
bieten oft zu wenig an essentiellen Bestandteilen und sollten
durch frisches, ungespritztes, immer gut geschältes Obst und Gemüse,
einen Kalkstein sowie ab und zu Eigelb, Quark oder Bisquit angereichert
werden. Um den hohen Eiweißbedarf der Papageien zu decken, bietet
man diesen Tieren hin und wieder etwas Fleisch an, beispielsweise
in Form von Hundetrockenfutter. Bei der Fütterung kann der Halter
experimentieren und wird bald die Vorlieben seines Schützlings kennenlernen.
Frischer Vogelsand ist zur Verdauung unbedingt erforderlich. Da
besonders im Winter eine ausreichende Zufütterung mit frischem
Futter schwierig ist, empfiehlt sich die regelmäßige Gabe von
wirkungsvollen Vitaminpräparaten über das Trinkwasser.
Nach der Psittakose-Verordnung müssen Sittiche und Papageien beringt
sein. Der Sitz dieses Kennzeichnungsringes sollte vom Besitzer
regelmäßig überprüft werden. Er muß locker und verschieblich über
dem Fuß sitzen. Leider kommt es immer wieder vor, daß solche Fußringe
einschnüren oder einwachsen und erhebliche Entzündungen und Stauungen
verursachen. Dann kann nur noch der Tierarzt helfen.
Niemals sollten gefiederte Patienten in kleinen Pappschachteln
zum Tierarzt gebracht werden. Dies geschieht häufig in der irrigen
Meinung, dies sei die schonendste Art des Transportes. Der eigene
Käfig, mit einem großen Tuch bedeckt und keinesfalls vorher gereinigt,
ist das geeignete Transportmedium für den Tierarztbesuch. Vogelpatienten
können in ihrem Käfig am besten beurteilt werden. Auch dem Käfig
selbst kann der Tierarzt wertvolle Krankheitshinweise entnehmen.
Quelle: Infoseiten des Bundesverbandes Deutscher Tierärzte e.V. (BPT)
Wenn Einsamkeit krank macht
Von Stubenvögeln und ihren Bedürfnissen
Mehr als neun Millionen Ziervögel werden in Deutschland als Heimtiere
gehalten - leider oft fernab ihrer biologischen Bedürfnisse. Ob
Zierfink, Kanarienvogel, Wellensittich oder Papagei, ein Grundbedürfnis
haben sie alle: das Zusammenleben mit einem Sozialpartner. Viele
ihrer Verhaltensweisen dienen der sozialen Kontaktpflege untereinander
und werden im natürlichen Lebensraum innerhalb eines Familienverbandes
oder Schwarmes, bei Papageien auch zwischen den gegengeschlechtlichen
Lebenspartnern gepflegt. Dazu gehört der Balzgesang des Kanarienvogels
ebenso wie das werbende Füttern des Wellensittichs oder die Imitationskünste
des Graupapageis.
Nach wie vor werden Stubenvögel überwiegend einzeln gehalten und
müssen auf einen artentsprechenden Sozialpartner verzichten. Der
Mensch wird zum Ersatzpartner und zieht aus dieser Rolle vermeintliche
Vorteile. Der einzeln gehaltene Kanarienvogel singt öfter, der
Sittich wird leichter fingerzahm, der Papagei anhänglicher und unterhaltsamer.
Tierärzte wissen, wie schnell sich diese Haltungsform ins Gegenteil
verkehren kann, denn so mancher Vogel gibt sich mit dem Ersatzpartner
Mensch nicht zufrieden.
Die einsamen Tiere werden seelisch und physisch krank. Besonders
drastisch zeigt sich dies bei Sittichen und Papageien, die in
ihrer Not aus dem Bedürfnis nach gegenseitiger Gefiederpflege
einen Akt der Selbstzerstörung machen. Meist nach Erreichen der
Geschlechtsreife (bei Papageien im Alter von drei bis acht Jahren)
beginnen die Tiere ihr Gefieder zu benagen, sich zum Teil nackt
zu rupfen oder sich tiefe, blutende Wunden zuzufügen. Nur das
intakte Kopfgefieder zeugt dann noch von der einstigen Pracht.
Dem Verlust der wärmenden Federisolierung folgen nicht selten
hartnäckige Atemwegsinfektionen.
Auch die Fettsucht vieler Stubenvögel ist häufig eine Folge von
Vereinsamung. Die Isolationshaltung, meist gepaart mit einem Mangel
an Bewegungsfreiraum, optischen und akustischen Reizen läßt die
Futteraufnahme zur einzigen Beschäftigungsmöglichkeit werden.
Wer könnte es den Tieren verdenken, daß sie unter solchen Haltungsbedingungen
mehr Futter aufnehmen, als ihrer Konstitution zuträglich ist?
Sie werden träge, bald auch flugunfähig und haben eine verkürzte
Lebenserwartung.
Mit Spiegel und Plastikspielzeug soll dem einzeln gehaltenen Wellensittich
die Langeweile vertrieben werden. Das emsige Treiben mit diesen
Gegenständen ist oft nicht mehr als agressives Balzverhalten und
gerät für den männlichen Wellensittich zum Dauerstreß. Unermüdlich
erbricht er Futterkörner vor diesen Utensilien, das werbende Füttern
wird zur Manie.
Natürlich muß der Tierarzt für alle diese Symptome auch organische
Erkrankungen in Betracht ziehen und durch sorgfältige Untersuchung
ausschließen. In vielen Fällen jedoch bewahrheitet sich die Verdachtsdiagnose
einer Haltungspsychose. Bei solchen Patienten müssen zusätzlich
zur medizinischen Versorgung die Haltungsbedingungen nachhaltig
verbessert werden. Neben der optimalen Ernährung gehört dazu ein
ausreichend großer Käfig, in dem zumindest eine Flugbewegung möglich
ist. Der Standort muß lärm- und zugfrei sein, aber Familienanschluß
bieten. Kletter-, Nage- und Spieltrieb können durch Obstbaumzweige
und ein wechselndes Angebot an sinnvollem Spielzeug gefördert
werden. Eine Bademöglichkeit oder eine Dusche mit der Blumenspritze
darf nicht fehlen. Ein bis zwei Stunden am Tag muß ein Vogel frei
fliegen dürfen. Besonders wichtig ist die Einrichtung einer täglichen
Sozialstunde, in der sich der Besitzer durch Ansprache und Körperkontakt
intensiv mit seinem gefiederten Pflegling beschäftigt.
Trotz all dieser Bemühungen stellt sich nicht bei jedem Patienten
die angestrebte Verhaltensnormalisierung ein. Dann muß ein geeigneter
artentsprechender Lebenspartner gefunden werden. Im Falle von
Papageien ist dies besonders schwierig, denn für eine Partnerschaft,
die lebenslang halten soll, wird längst nicht jeder Artgenosse
akzeptiert. Oft kann nur in großen Flugvolieren mit Ausweich-
und Auswahlmöglichkeit eine erfolgreiche nachträgliche Verpaarung
ermöglicht werden.
Vogelliebhaber, die von vornherein die Weichen für ein erfülltes,
natürliches Miteinander stellen wollen, sollten bereits bei der
Anschaffung zwei Tiere einplanen.
Quelle: Infoseiten des Bundesverbandes Deutscher Tierärzte e.V. (BPT)
Vorsicht Hitzestau!
Wenn sich das Thermometer jenseits der 25-Grad-Grenze einpendelt
und die Sonne erbarmungslos niederbrennt, fühlen sich doch nur
eingefleischte Sonnenanbeter in ihrem Element. Unsere Haustiere
gehören in der Regel nicht zu dieser Gruppe. Fehlt ein kühleres
Schattenplätzchen oder ist die Frischluftzufuhr oder das Trinkwasserangebot
nicht ausreichend, entsteht in den kleinen Tierkörpern ein Wärmestau,
der dann rasch die Symptome eines Hitzschlags nach sich zieht.
Abgeschlagenheit, Unruhe oder Taumeln sind erste Alarmzeichen,
die vom Tierbesitzer sofortiges Handeln verlangen. Bringen Sie
Ihr Tier in den Schatten, besser noch in einen kühleren Innenraum,
bieten Sie frisches Trinkwasser an und sorgen Sie für Frischluft.
Bei Krämpfen, Atemnot oder gar Bewußtlosigkeit besteht akute Lebensgefahr.
Bedecken Sie das Tier mit feucht-kalten Tüchern und bringen Sie
es schnellstmöglich zum Tierarzt. Achten Sie beim Transport auf
ausreichende Luftzirkulation.
Hitzschlaggefährdet sind vor allem ältere Hunde und Katzen, besonders
wenn sie bereits ein Herzleiden haben, sowie hochträchtige und
ganz junge Tiere. Sie sollten nicht der sengenden Mittagshitze
ausgesetzt werden. Körperliche Aktivitäten sollten auch bei robust
erscheinenden Tieren auf die kühleren Tageszeiten verlegt werden.
Zu den häufigsten Hitzeopfern gehören Kaninchen, Meerschweinchen
und Ziervögel, deren Käfige oder Freigehege im Laufe des Tages
der vollen Sonnenbestrahlung ausgesetzt sind. Der Käfigstandort
muß so gewählt werden, daß permanent eine natürliche Schattenquelle
zur Verfügung steht. Die handelsüblichen kleinen Schutzhäuschen
aus Sperrholz sind als alleinige Schattenspender nicht ausreichend.
Weit verbreitet ist zudem der Irrglaube, Kaninchen und Meerschweinchen
benötigen kein Trinkwasser. Dieser Irrtum kann im Hochsommer für
die Tiere tödliche Folgen haben.
Erhöhte Hitzschlaggefahr droht allen Tieren, die in diesen Tagen
im Auto transportiert werden müssen. Autofahrten mit Haustieren
erfordern daher sorgfältige Vorbereitung. Planen Sie für längere
Autofahrten die kühleren Tages- oder Nachtzeiten ein. Ergänzen
Sie Ihr Reisegepäck um einen ausreichenden Vorrat an Trinkwasser
und mehrere, möglichst helle Tücher, die bei Sonneneinstrahlung
angefeuchtet werden und als kalte Kompressen oder verdunstungsaktive
Käfigabdeckung dienen können. Vermeiden Sie auch kürzere Transportfahrten,
wenn der Wagen durch längeres Stehen überhitzt ist und lassen
Sie Ihr Tier auch nicht für kurze Zeit im geparkten Fahrzeug zurück.
Offene Fensterspalten sind bei hochsommerlichen Temperaturen kein
ausreichender Klimaschutz.
Quelle: Infoseiten des Bundesverbandes Deutscher Tierärzte e.V. (BPT)
Schnabelräude beim Wellensittich
Das Krankheitsbild der Schnabelräude ist unverwechelbar. Borkige,
mit winzigen Löchern durchsetzte Beläge am Schnabelwinkel, um
die Augen oder die Nasenöffnungen lassen keinen Zweifel: hier
sind Grabmilben am Werk, die sich durch die Hornschichten der
Vogelhaut bohren und sich von dem dabei anfallenden Zellmaterial ernähren.
Bereits im Nest werden die Parasiten auf die Jungvögel übertragen.
Aber noch gut eineinhalb Jahre können vergehen, bis die ersten
Symptome sichtbar werden. Viele Wellensittiche sind latent infiziert.
Das bedeutet, daß sie durch den Milbenbefall nicht merklich erkranken,
solange ihre Abwehrkraft nicht durch andere Erkrankungen oder
Fehlernährung geschwächt wird. Ist die Schnabelräude erst einmal
ausgebrochen, kann sie sich mit der Zeit auch auf die federlose
Beinhaut und die Gegend um die Kloake ausdehnen.
Die erste Behandlung muß der Tierarzt vornehmen. Mit speziellen
Lösungen weicht er die Borken auf und löst sie vorsichtig ab.
Die Krusten enthalten Milben und Eier und müssen sorgfältig vernichtet
werden. Anschließend werden die betroffenen Stellen vom Tierbesitzer
weiterbehandelt, indem er sie täglich mit einer milbenabtötenden
Flüssigkeit betupft. Scheue Vögel, die nicht täglich gefangen
werden können, erhalten ein Präparat, das in größeren Zeitabständen
auf den Nacken aufgetropft wird. Es verteilt sich dann in der
Haut und läßt die noch vorhandenen Milben nach und nach absterben.
Quelle: Infoseiten des Bundesverbandes Deutscher Tierärzte e.V. (BPT)
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